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golf_schwarzIm Zuge der Generalsanierung meines Fahrzeugs – Golf III Rolling Stones Edition mit 1.8l AAM Motor (75 PS) und Automatikgetriebe (BJ 96) - beschloss ich, auch gleich mit etwas Motortuning ein bisserl mehr Fahrspaß einzubauen, was allerdings an meiner fehlenden Ausdauer und an der Finanzierung beinahe gescheitert wäre.

 
Schrick NockenwelleIch kaufte mir fröhlich einen Nockenwellenbausatz von Schrick (268° Standard-Sportnockenwelle), wo auch gleich doppelte Ventilfedern, Titan-Hydrostössel und Federteller sowie Ventilkeile dabei sind.
Der Zylinderkopf wurde abgenommen und einer Spezialfirma im Waldviertel zum Planfräsen übergeben (dadurch wird die Verdichtung etwas erhöht), dabei sind auch gleich die Ventile neu eingeschliffen und die Ventilsitze erneuert worden. Leider hat sich herausgestellt, dass ich den falschen Schrick-Bausatz gekauft habe – es passten weder die Ventilfedern noch die Teller und Keile, ich konnte von dem Bausatz also nur die Hydros und die Nockenwelle selbst verwenden. Naja, macht nichts, die alten Ventilfedern sind für diese Nockenwelle noch gut genug, gefährlich mit den Originalfedern wird es erst bei >6000 U/min ab einer Spreizung von >272° habe ich mir sagen lassen. OK, die ungebrauchten Teile konnte ich noch halbwegs gut auf ebay verkaufen.

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Der Alte Abgaskrümmer hatte bereits zwei Risse und die restlichen Auspuffteile waren schon stark rostig und undicht, so fiel mir die Entscheidung leichter, auch gleich die gesamte Abgasanlage gegen etwas Sportlicheres auszutauschen. Ich habe dann nach intensiver Recherche folgende Komponenten zusammengekauft und montieren lassen:
Abgaskrümmer und Hosenrohr vom Golf II 1.8 G60
Metallkatalysator vom Corrado VR6
Auspuffrohre und Schalldämpfer vom Golf III GTI (55 mm Querschnitt, Serienauspuff)

Die Montage war eine Tüftelarbeit, zB. ist bei meinem Modell ja original kein Mittelschalldämpfer vorhanden, da fehlten also die Aufhängung und das Hitzeschutzblech, auch die Lambdasonde haben wir aus dem Kat in das untere Knie des Hosenrohres versetzt.
Der Klang dieser Auspuffanlage ist tief und dezent, also eher leise und unauffällig. Ohne Mittelschalldämpfer war es mir allerdings definitiv zu laut.

Der um 0,5 mm geplante Zylinderkopf erhielt dann noch eine flache Stahldichtung, die Teile wurden zusammengebaut, ein neuer Zahnriemen dazu, eine neue Lambdasonde, eine neue Zündspule, Kerzen sowieso, Ölwechsel, Benzinfilter neu, dann sollten die allfälligen Reparaturarbeiten folgen: eine Halbachse flattert ein wenig und einige Roststellen sind auszubessern. Ich habe zwei mal die rechte Halbachse gekauft, die erste war verbogen, die zweite war eine Falschlieferung für ein anderes Modell, dann habe ich das erst einmal auf den Spätfrühling verschoben.

Was nun folgte war ziemlicher Frust. Von Leistungszuwachs nichts zu spüren, das Budget war verbraucht und die eigentlichen Reparaturen nicht gemacht, die Abgaswerte waren auch nicht mehr pickerltauglich.
Ich hatte bereits begonnen mich nach einem Alteisenhändler für die Fahrzeugkarosserie umzusehen, um die verwertbaren Autoteile auf den Markt zu werfen, doch irgendwie brachte ich es nicht über’s Herz und ein Engerl hat mir dann mein Reparatur-Budget wieder aufgefüllt, um die Arbeit an diesem Auto zu einem positiven Abschluß zu bringen.

Nach der ersten großen Enttäuschung sammelte ich nun wieder Mut und Motivation und fuhr zu einer Tuningwerkstatt im Burgenland, die mir von der VW-Community im Web empfohlen worden ist. Der Zweck dieses Werkstattbesuches war die Anpassung des Motorsteuergerätes an die Sportnockenwelle. Ich wagte nicht auf Leistungssteigerung zu hoffen, sondern wünschte mir nur noch unbedenkliche Abgaswerte und einen normalen Verbrauch.

Die erste Messung auf dem Leistungsprüfstand (vor der Optimierung) zeigte 79,5 PS bei 6100 U/min. Dieses ernüchterne Ergebnis bestätigte nur den Eindruck, den ich bisher gewonnen hatte  – es hat nichts gebracht. Aber dann…
Aber dann machte sich der junge Mann von www.turbo-tuning.at an die Arbeit, tastete sich mit Laptop und Steuergeräte-Emulator und Prüfstandmessungen erst mal mit dem Zündzeitpunkt ans Limit heran (der war auf VW-Serieneinstellung) und machte sich dann über die Einspritzoptionen her, wobei er gemeint hat, dass der Motor im oberen Drehzahlbereich viel zu mager gelaufen ist, und hat diesem dann auch weiter unten etwas mehr Saft gegeben – Spielraum gibt es nach seiner Aussage mehr als genug mit der Serieneinspritzanlage.

Leistungsprüfstand Golf 3 AAM SchrickDie Prüfstandmessungen mit Automatikgetriebe sind leider nicht ganz astrein durchzuführen gewesen, weil das Vehikel nämlich bei Vollgas unterhalb von 4500 U/min sofort zurückschalten will, deshalb habe ich den Bereich der Leistungskurve mit einer blauen Linie markiert, ab dem die Messung unter Vollast gelaufen ist, darunter ist die Kurve leider ungültig.
Nach drei Stunden Leistungsprüfstand hatte er das Potential der Schrick Nockenwelle in dieser Konfiguration endlich optimal ausgereizt – der Motor leistet jetzt 90,2 PS bei 5900 U/min. Und das beste daran: Man spürt jetzt tatsächlich, dass am Motor etwas gemacht worden ist, jetzt kann man von Beschleunigung reden, das Auto ist um einiges aggressiver geworden und hängt nun richtig gut am Gas.

Was lernen wir daraus? Nockenwelle tauschen ohne Chipanpassung ist für die Katze! Ohne Optimierung könnte man sagen: Fahrspaß wurde zwar eingebaut aber nicht aktiviert.

Die Abgaswerte sind jetzt wieder optimal und das Tuning wurde damit abgeschlossen. Verbrauchswerte folgen noch.

Vielleicht noch ein Wörtchen zu der Carbon-Box, die ich mir wenige Tage vor der Optimierung gekauft habe. Die Box kommt von Sandtler und kostet je nach Geschäft zwischen 140 und 170 €. Eingebaut bzw. ausgebaut ist das Ding mit wenigen Handgriffen bei diesem Fahrzeug. Es macht einen supergeilen Sound beim Beschleunigen, doch unter Vollast hört sich der Spaß auf, da wird es peinlich laut. Ja, es ist eine Zeit lang lustig so herumzufahren, aber ich denke, die Box fliegt wieder raus, es kommt wieder die K&N Filterplatte mit dem serienmäßigen Luftfilterkasten rein. In der kalten Jahreszeit fällt mit der Carbon-Box ja auch die Warmluftzufuhr weg, die der Motor im Kaltlauf zum schnelleren Warmwerden braucht, damit steigt automatisch auch der Verbrauch bei kürzeren Fahrten.

Hat sich der Aufwand gelohnt?
Ich würde sagen: eindeutig nein. Aber ich habe jetzt ein etwas individuelleres Fahrzeug mit mehr Fahrspaß als vorher, ist ja auch schon etwas.

Nagut, dann kann’s ja weitergehen mit den restlichen Arbeiten am Auto, die immer noch warten… :-)

4 Kommentare zu “VW Golf 3 AAM Automatik Tuning”

Beachtlich! Möchte gerne das Vehikel als Mitfahrer testen. Mit der
Carbonbox (oder wie das Ding heißt), natürlich! Einige Prols zusätzlich müssen schon zu hören sein.
fersc

Servus Ferry!

Ich lasse die Carbonbox für dich noch drinnen, dann fahren wir am Wochenende ein paar Runden mit 5000 Prol* durchs Dorf. ;-)

(Für außenstehende Mitleser: *Prol = Eine Einheit, die mein Bruder und ich im Kindesalter erfunden haben, um aufgemotzte Autos nach ihrem “Proletenfaktor” zu beurteilen.) ;-)

Das Ende

Nach einigen Problemen mit dem Öldruck und wegen ungehindertem Wildwuchs von Rost habe ich nun mit meinem Golf Schluss gemacht. Außerdem musste ich mich jedes Mal beim Anblick dieses Vehikels erneut über meine Blödheit und das verlorene Geld denken, jetzt ist er inzwischen vermutlich bei den Negern in Afrika oder sonstwo, interessiert niemanden mehr.
Derzeit bin ich Volvo-Fahrer.

Nur nebenbei bemerkt: Volvofahrer bin ich nun auch keiner mehr, bin dem Händler in Stockerau wohl auf den Leim gegangen, das Getriebe war nach drei Monaten kaputt, Reparatur zahlt sich nicht mehr aus.

Das nächste Vehikel wird sehr wahrscheinlich ein VW Lupo 3L werden.

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